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ITE Newsletter 70: April/Mai 2005

ZUR ERINNERUNG : Große Demonstration am 30. April 2005 in Chamonix

Die Gerichtsverhandlung zur Tunnelkatastrophe am Mont Blanc wird am 29. April abgeschlossen. Während dieser drei Monate hat sich der Verkehr in den Tälern am Mont Blanc weiter verstärkt (Höchstbelastung : 1‘750 Lkw/Tag). Nun sollten endlich die Schlußfolgerungen aus dieser Katastrophe gezogen und die Bevölkerung angehört werden. Die sagt heute nämlich « Jetzt reicht es !«  und fordert entschlossen eine Verkehrspolitik, die sich an den Bedürfnissen von Mensch und Umwelt orientiert.

Wir treffen uns am 30. April um 12.00 Uhr in Chamonix am symbolischen „Carrefour de la Vigie“ zu einem engagierten Picknick, bei dem wir auch unsere Forderungen kundtun.

Mehr Infos unter : http://www.arsmb.com


4. Mai: Große Leia Solidaritätsabendveranstaltung gegen das Projekt « Transnavarraise ».

Die Veranstaltung findet um 20h30 in St-Jean-le-Vieux / Donazaharre (F-64220) statt. Auf dem Programm stehen: Reden, Videos, Diaprojektionen, Sänger und Sängerinnen sowie ein Ball mit der Gruppe « Irrintzina », deren Mitglieder zu dieser Gelegenheit wieder zusammen auftreten. Getränke, Sandwich und talo ta xingar… Eintritt frei. Kontakt : LeiaTransPyr@aol.com


Solstice 2005 : Umwelttreffen in Chamonix vom 27. bis 29. Mai

Die traditionelle Fahrrad-Protestfahrt auf der „Route Blanche“ endet dieses Jahr im Zentrum von Chamonix . Dort werden in einem Zelt zahlreiche Debatten und Konferenzen veranstaltet sowie Theaterstücke aufgeführt und Kunstausstellungen organisiert. Ein Filmfestival ist ebenfalls angesagt. Wir erwarten euch zahlreich zu diesem festlichen und engagierten Treffen zum Thema „Transport“.

Mehr Infos: Christine Mattel, ARSMB, valleespropres@arsmb.com


30. September bis 1. Oktober 2005 : ITE-Aktionstag mit dem Aktionsthema „Klimaschutz und Verkehr“

Mehr Infos und Anmeldungen: info@ite-euro.com


Mehr Aktionsinfos in unserem Veranstaltungskalender ?

Liebe Leser des Fax-ITE, wenn Sie die anderen Leser auf wichtige Veranstaltungen aufmerksam machen wollen, schicken Sie uns ein Mail damit wir die Infos in das Fax-ITE integrieren können.


Mitgliederversammlung und Kongreß von T&E-ITE in Vitoria vom 7. bis 9. April


Die wichtigsten Ergebnisse des Kongresses von T&E

  • Fast 100 Personen haben sich in Vitoria eingefunden, um die zahlreichen Vorträge zu besuchen.

  • Gegenwärtig queren etwa 95% der Wirtschaftsgüter die Pyrenäen über die Straßen. ( 18 000 Lkw/Tag im Jahr 2003). Laut Prognoseberechnungen wird diese Zahl im Jahr 2020 auf über 40 000 Lkw täglich ansteigen

  • Ein dänischer Experte hat eine Studie vorgestellt, nach der seit den 70er Jahren die infrastrukturellen Großbauprojekte , die der folgenden Gleichung entsprechen, vom Gesetzgeber unterstützt werden: Unterschätzung der Kosten + Überschätzung der Einnahmen + Unterschätzung der Umweltauswirkungen + Überschätzung der wirtschaftlichen Wirkungen = Akzeptanz des Projekts

Mehr Infos : http://flyvbjerg.plan.aau.dk/excerpt.php

  • Eine Demonstration gegen das Bahnprojekt der Schnellzugtrasse im Baskenland (mit etwa 150 Tunneln) wurde von der Polizei verhindert .



Die Beschlüsse der Mitgliederversammlung von ITE

  • Die Mitgliederversammlung hat 5 neue Mitgliedervereine bei ITE akzeptiert. Hiermit hat ITE nunmehr 47 Mitglieder in 8 Ländern. Der Vorstand von ITE wird erweitert, damit ein slowenischer Vertreter integriert werden kann.

  • Die ITE-Tagung 2006 wird im Elsaß stattfinden, der genaue Veranstaltungsort und die Termine werden später mitgeteilt.


Netzwerktag der NGO

  • Der Autobahn-Wahn in Osteuropa

Die Vertreter(innen) von 3 osteuropäischen Ländern – Rumänien, Bulgarien, Slowenien – haben uns erklärt, daß sich die Verkehrspolitik in ihren Ländern ausschließlich auf den Bau von Autobahnen beschränkt. Es ist Ihnen nicht möglich, alle diese Projekte zu stoppen. So versuchen sie zumindest, die Zerstörung der hochwertigen ökologischen Gebiete (wie Natura 2000) zu verhindern. Es gibt bei der Planung dieser Projekte keinerlei Transparenz und es ist deshalb für die NGO sehr schwierig an Informationen zu den geplanten Projekten heranzukommen.

  • Die Situation in den Pyrenäen ist nicht viel besser

3 Vereine in den Pyrenäen und ein Verein aus Barcelona haben sich bei der Mitgliederversammlung vorgestellt. LEIA aus dem Baskenland, Mitglied bei ITE, kämpft gegen den Bau einer weiteren Autobahn, die parallel der bereits an der Westküste der Pyrenäen bestehenden Autobahn mit 8000 Lkw/Tag verlaufen soll und die die Verbindung zu den von Norden und Süden zuführenden Autobahnen übernehmen soll. Die regionalen Volksvertreter versuchen das Projekt unter dem Deckmantel von regionalen Wirtschaftsinteressen durchzusetzen (siehe oben: Infos über die Studie des dänischen Experten). In Somport sind zwei Verein aktiv: Im Aspetal kämpft ein Mitgliedsverein von ITE (Comité des habitants pour la vie en vallée d’Aspe) gegen den Schwerverkehr, der das Tal als Transitstrecke nutzt und CRELOC setzt sich für die Wiederinbetriebnahme der Bahnlinie Pau-Canfrance ein. Ein kleiner Lichtblick : Der Verein zur Förderung des öffentlichen Nahverkehrs in Barcelona hat erklärt, daß es Fortschritte gibt (autofreier Tag, Straßenbahn).



Nachrichten


Eurovignette – Die Minister einigen sich auf einen Kompromiß, ohne die externen Kosten zu integrieren …

Am 21. April haben sich die Verkehrsminister der Europäischen Union auf einen politischen Kompromiß zur Eurovignette geeinigt. Einerseits haben die Minister den Mitgliederstaaten verboten, die externen Umwelt- und Gesundheitskosten, in die Gebühren mit einzurechnen. Das bedeutet, daß 170 Milliarden Euro, die von den Lkw im Hinblick auf die Umwelt und die Gesundheit verursacht werden, nicht in die Berechnungen eingehen! Außerdem gibt es für Vielfahrer-LKW, einen zweifelhaften Gebührenerlaß, der bis zu 13 % betragen kann. Neben diesen Entscheidungen haben die Minster immerhin beschlossen, daß die Mitgliederländer frei entscheiden können, wie diese Gebühren weiterverwendet werden (sie werden also nicht automatisch zum Bau neuer Straßen verwendet) und wo diese erhoben werden (als nicht unbedingt nur auf den TEN-Strecken).

In den Bergregionen, wie z.B. die Alpen, ist ein Zusatzgebühr von bis zu 25% vorgesehen, die dazu genutzt werden soll, alternative Infrastrukturen zu finanzieren. Angesichts der geringen Gebühren (ohne Einrechnung der Kosten für die Umwelt und die Gesundheit) ist diese Maßnahme jedoch eindeutig als unzureichend zu beurteilen. Der Text geht zunächst nochmals in zweiter Lesung an das Europaparlament zurück. Im Gegensatz zum Ministerrat hat sich das Europaparlament im Hinblick auf die externen Kosten bei der ersten Lesung offener gezeigt.

Die Änderungsvorschläge von T&E können unter folgender Adresse nachgelesen werden (auf Englisch): p://www.t-e.nu/docs/Factsheets/2005/2005-04_eurovignette_background_briefing.pdf


Rollende Landstraße mit Modalohr : Das Experiment geht weiter

Der französische und italienische Verkehrsminister haben am 18. April bestätigt, daß das Experiment einer rollenden Landstraße mit Güterwagen von Modalohr in den Alpen weitergeführt wird, obwohl die Nutzung unter den erwarteten Prognosen liegt.

Das Ziel der AFA (Autoroute ferroviaire alpine) lag zu Beginn des Projektes bei 35000 à 50000 Lkw pro Jahr. Letzten Monat hat die Zahl der LKW-Transporte zum ersten Mal die Zahl von 1000 überschritten (1157 Einheiten). Die Verkehrszahlen liegen seither regelmäßig bei über 250 Lkw wöchentlich. Zu berücksichtigen ist, daß die Abmessungen im Tunnel sehr nachteilig sind und lediglich die Durchfahrt von Tankwagen auf den Waggons zuläßt. Außerdem sind die Durchfahrtszeiten insbesondere morgens sehr schwierig. Die Bauarbeiten zur Tunnelvergrößerung sind im Gange und verursachen bei den 4 täglichen Hin- und Rückfahrten einige Turbulenzen.

Das Ministerium bestätigt die Absicht, « das Projekt vorläufig wie vorgesehen bis 2006 weiterführen und darüber hinaus auch während der Bauarbeiten fortzuführen, wenn die wirtschaftlichen Vorteile von ergänzten Serviceleistungen, die nach den Bauarbeiten erfolgen sollen, nachgewiesen werden können». Es ist vorgesehen, eine wirtschaftliche Bilanz zu erstellen sowie einen Katalog von Verbesserungsmöglichkeiten zur Kostenreduzierung und Gewinnerhöhung aufzustellen.

Quelle: Artikel in DNA vom 19. April,

http://www.dna.fr/local/economie/20050419_DNA002959.html

Kommentar: Wieder einmal wird bei einem Projekt, das die Situation in unseren Tälern entlasten soll, die Kostenfrage in den Vordergrund gestellt. Wann endlich werden auch die externen Kosten bei diesen Überlegungen miteinbezogen ? Die beste Lösung, die Gesamtkosten zu reduzieren (und nicht nur die einzelnen Buchhaltungsbilanzen): Der Gütertransport muß von der Straße auf die Schiene verlagert werden !


Verdoppelung des Fréjus-Straßentunnels (Maurienne/F – Suze/I)

Ende April wurden in Frankreich drei Projekte vorgestellt, die dazu beitragen sollen, die Kapazität des Straßenverkehrs in den französischen Bergregionen zu erhöhen: Folgende Projekte zur Verdoppelung von Tunneln werden zur Zeit untersucht: Der Fréjus-Tunnel in der Maurienne, der Tunnel von Sainte-Marie aux Mines in den Vogesen und der Tunnel von Tende in den Süd-Alpen.
Der französische und italienische Verkehrsminister haben sich am 18. April 2005 in der Maurienne getroffen, um über die Verdoppelung des Straßentunnels von Fréjus zu sprechen ohne jedoch offizielle Mitteilungen zu diesem Thema vorzunehmen. Es wurde von einer einfachen Verdoppelung des Tunnels gesprochen bzw. einer vielleicht heimtückischeren Variante, den Sicherheitsstollen so zubauen, dass er in Zukunft als zweite Röhre für den Verkehr umgebaut werden kann.

Die Vereine der Maurienne, lokale Volksvertreter sowie die Vereine vom Mt. Blanc haben sich gegen dieses Projekt ausgesprochen. Wenn das tatsächliche Ziel, wie behauptet wird, eine Verbesserung der Verkehrssicherheit sein soll, dann könnten heute bereits durch lenkende Maßnahmen – wie z.B. wechselseitiger Einbahnverkehr für LKW in den Einröhren-Tunneln- erhebliche Verbesserungen bringen und somit die Zeitspanne bis zur Realisierung von Schienenbauprojekten, die sowohl die Sicherheits- als auch die Schadstoffprobleme lösen, überbrückt werden.

Die ITE-Pressemitteilung vom 18. April 2005: http://www.ite-euro.com/fr/frejus.htm

Kontakt bei Réagir! (ITE-Mitglied in der Maurienne): Dominique Draperi : jcdraper@club-internet.fr


Ruhezeiten der europäischen Lkw-Fahrer

Das europäische Parlament hat vorgeschlagen, daß den Lkw-Fahrern alle 2 Arbeitswochen ein komplettes freies Wochenende zusteht. Das Parlament hat ebenfalls eine Erholzeit von mindestens 12 Stunden pro Arbeitstag angeordnet. Ursprünglich hatten die Mitgliedsstaaten 11 Stunden vorgeschlagen. Die europäischen Parlamentarier sehen in diesen Erholzeiten nicht nur eine wichtige soziale Maßnahme für die Lkw-Fahrer und ihre Familien, sondern auch als ein Schlüsselfaktor zur Erhöhung der Verkehrssicherheit auf den europäischen Straßen. Jetzt müssen die Mitglieder des Parlaments und des Ministerrats ihre Meinungsverschiedenheiten im kommenden Vermittlungsverfahren austragen.

Quelle: http://www.eubusiness.com/topics/Transport/hours.2005-04-14

Kommentar: Obwohl sich das Europäische Parlament fortschrittlicher als die EU-Verkehrsminister gezeigt hat, so darf man sich keine Illusionen machen! Die prekäre Arbeitssituation der Chauffeure und die Probleme des Sozialdumpings und der fehlende Verkehrssicherheit werden mit dieser Vorlage nicht gelöst. Um nur ein Beispiel zu zitieren, Fahrer von Kleinlastern bleiben von der Regelung ausgenommen.


Österreich: Verfassungsgerichtshof bestätigt die Ausweitung des Nachtfahrverbotes in Tirol.

Die Tiroler Landesregierung hatte im vergangenen Herbst verordnet, daß das Nachtfahrverbot im Winter bereits von 20h bis 5h früh (statt von 22h bis 5h früh) dauert, um so gegen die Überschreitung der Stickstoffgrenzwerte zu kämpfen. Der Verfassungsgerichtshof hat nun bestätigt, daß diese Ausweitung nicht gesetzwidrig, sondern eine "zielführende Maßnahme" für den Umweltschutz ist.

In der - wie es in der Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes wörtlich hieß - "umweltpolitisch fast aussichtslos erscheinenden Lage" müsse es zu einer Abwägung der "schwerwiegenden Interessen des Umwelt- und Gesundheitsschutzes" mit den negativen wirtschaftlichen Folgen kommen.

Quelle : www.derstandard.at


Klima-Erwärmung problematischer als der Terrorismus

Bei einer Umfrage, welche Bedrohungen als problematisch angesehen werden, haben 51% der Franzosen die Klima-Erwärmung angegeben, die damit vor dem Terrorismus (43%), der Rentenfrage (28%) oder Seuchen (19%) lag.

Telefonische Umfrage CSA vom 9. und 10. Februar 2005. Quelle: AP.


380$ : Soviel könnte ein Barrel Erdöl in 10 Jahren kosten

« Bald könnte der Preis von 50 Dollar für ein Barrel zu einem antiken Andenken werden. Tatsächlich könnte der Barrel Erdöl in 10 Jahren 380 Dollar kosten. […] In einer Studie der Bank Ixis-CIB, beurteilen die Autoren die Hypothesen, nach denen der Bruttopreis für Erdöl bis 2015 auf 30-40 Dollar sinken könnte als « total unvernünftig». Ihr Rechenmodell: Die aktuelle Entwicklung des Weltbedarfs von Erdöl. Dieser wird bis 2015 etwa 108 Millionen Barrel pro Tag betragen und liegt damit 8% über den Förderungskapazitäten, die auf etwa 100 Millionen geschätzt werden. […] Um den Weltbedarf an Erdöl im Jahr 2015 um 8% zu reduzieren, muß […] von 2005 bis 2015 der Preis für Erdöl um den Faktor 6,9 multipliziert werden »

Quelle: http://www.liberation.fr/page.php?article=290563


Initiative Transport Europe - European Transport Initiative - Iniziativa Europea delle Trasport - Europäische Verkehrsinitiative

Bei Fragen oder Unklarheiten im Zusammenhang mit dieser Website wenden Sie sich bitte an support@ite-euro.com

29.4.2005