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ITE Newsletter 72: November 2005
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Aktionstag ITE : 30. September und 1. Oktober 2005
ITE-Aktionstage:
30. September und 1. Oktober 2005
Während
der Aktionstage 2005 « Verkehr und Klimawandel »
haben in den Alpen, den Vogesen und den Pyrenäen Aktionen
stattgefunden – richtige internationale Tage. Um das Thema des
Aktionstages zu verdeutlichen haben die beteiligten Vereine simultan
in den 3 Berggebieten Eisberge schmelzen lassen, um damit das
Schmelzen der Gletscher durch den Klimawandel zu verdeutlichen. Der
Verkehr ist in Europa zu etwa 25 % für den CO2-Ausstoß,
dem wichtigsten Treibhausgas, verantwortlich.
Die
größte Demonstration hat nach einem Aufruf des Vereins
LEIA am 30. September 2005 in Bidache in den Pyrenäen
stattgefunden. Über 3000 Personen haben dort ihre Ablehnung
gegen eine vierspurige Schnellstrasse zwischen Frankreich und Spanien
bekundet.
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Infos und Bericht: info@ite-euro.com
Agenda
1.
– 3. Dezember: Konferenz MONITRAF in Luzern/CH
Überwachung
der Folgenden des Straßenverkehrs in den Alpenregionen.
Infos:
www.monitraf.org
3.
Dezember, 14 Uhr 30-18 Uhr : Vereinstreffen von FARE SUD in
Mouans-Sartoux/F
Infos :
FARE-SUD@wanadoo.fr
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Veranstaltungshinweise ?
Liebe
LeserInnen, wenn Sie die anderen LeserInnen auf wichtige
Veranstaltungen aufmerksam machen wollen, schicken Sie uns ein Mail
damit wir die Infos in das Fax-ITE integrieren können.
Nachrichten
INTERNATIONAL
Abstimmung
zur Eurovignette bei der Verkehrskommission des Europaparlaments
Am
14. November hat die Verkehrs- und Tourismuskommission (TRAN) des
Europaparlaments zum Thema Eurovignette abgestimmt. Die
Parlamentarier haben sich dabei offener gezeigt als die
Verkehrsminister, denn sie haben die externen Umwelt- und
Gesundheitskosten eingerechnet und die Richtlinie auf Fahrzeuge ab
3,5 to ausgeweitet. Diese Punkte sind am Jahresanfang von den
Verkehrsministern nicht angenommen worden. Trotz der(zumindest
teilweisen) Berücksichtigung der externen Kosten hat T&E,
der Europäische Verband Transport und Umwelt, die langen
Zeitspannen, die zur Umsetzung vorgesehen sind (bis zu 5 Jahre)
kritisiert.
Am
13. oder 14. Dezember, wird sich das Parlament (Plenarsitzung) in
einer zweiten Lesung mit dem Gesetz beschäftigen, die Beobachter
erwarten schwierige Entscheidungen. Danach müssen die
Verkehrsminister der Richtlinie noch zustimmen.
Quelle:
http://www.europarl.eu.int/committees/tran_home.html
und
http://www.t-e.nu/Article152.html
Neue
Zahlen zum Güterverkehr in den Alpen
Im
Jahr 2004 wurden im Abschnitt Mont-Cenis/Fréjus–Brenner
110,2 Millionen Tonnen Güter durch die Alpen transportiert. In
der Schweiz werden nahezu 65 % der Güter auf der Schiene
transportiert, der Anteil des Schienentransports hat damit nochmals
zugenommen. In Frankreich und Österreich, wo nur 20% der Güter
auf der Schiene transportiert werden, hat die Straße weitere
Zugewinne erhalten. Die Zuwachs des Straßenverkehrs hat im Jahr
2004 in Österreich Höchstzahlen erreicht, mehr als 19,3 %.
Im Jahr 2005 wird alleine nur für den Brenner eine
Schwerlastverkehrsbelastung von nahezu 2 Millionen Lkws
prognostiziert !
Die
Zahlen von Alpinfo sind zu erhalten unter:
http://www.are.admin.ch/are/fr/verkehr/alpinfo/
Die
Alpenminister begutachten die Idee einer Transitbörse
Am
14. November hat im Rahmen der « Zürich-Gruppe »
ein Treffen der Verkehrsminister und Verkehrsvertreter aus der
Schweiz, Frankreich, Österreich, Deutschland und Slowenin mit
der europäischen Kommission stattgefunden. Hierbei wurde über
die Sicherheit des Güterverkehrs und die Verlagerung der Güter
auf die Schiene diskutiert. Im Hinblick auf mögliche Maßnahmen
beim Umgang mit dem Schwerlastverkehr hat der Schweizer
Verkehrsminister die Idee einer Transportbörse für den
Alpentransit vorgestellt. Die Idee und ihre möglichen Folgen
werden in den nächsten Monaten von der Gruppe von Zürich
untersucht (= Verkehrminister der Alpenländer + EU-Kommission).
Quelle:
http://www.vcs-gr.ch/netzwerka13/2005/SO_051115.html
Mehr
Infos zur Transitbörse unter: http://www.alpentransitboerse.ch/
Schweiz
CFF
Cargo kündigt die Reduzierung der Zahl der Umschlagplätze
an
Dem
transalpinen Güterverkehr geht es in der Schweiz gut (zumindest
im Vergleich zu den Nachbarländern, siehe oben Alpinfo) aber der
Binnenverkehr wird zur Zeit kontrovers diskutiert. CFF Cargo hat am
28. Oktober angekündigt, daß einige Dienststellen
geschlossen werden ("Umschlagplätze"). Insgesamt
sollen die 650 Plätze auf 323 reduziert werden, wobei bis zum
Juni 2006 insgesamt 590 von 4'800 Arbeitsstellen betroffen sind.
Diese Ankündigung hat in vielen Kreisen große Empörung
ausgelöst : in den betroffenen Regionen
(Kantonsregierungen), bei den Gewerkschaften, der Wirtschaft, den
NGOs. CFF Cargo ist der Auffassung, daß die Gesetzgebung den
Schienenverkehr benachteiligt, insbesondere seit der Einfuhrerlaubnis
für den Schwerlastverkehr über 40 to.
Quelle:
http://www.swissinfo.org/sfr/swissinfo.html?siteSect=105&sid=6198039
und
www.sev-online.ch
Beispiel
für Unsinnstransport: Hausmüll
In
der Schweiz werden im Zuge der Abfalltransporte geradezu
Lastwagentänze aufgeführt. Die Alpeninitiative fordert hier
eine bessere Abstimmung. Am 14. November hat sie die
Müllverbrennungsanlage Trimmis (GR) mit einer recht
unerwünschten Trophäe ausgezeichnet, dem « Preis
für Unsinnstransporte ».
Presseartikel
der Alpeninitiative:
http://www.initiative-des-alpes.ch/f/Actualite.asp
Infos
zum gleichen Thema in Tirol :
http://derstandard.at/?url=/?id=2233981
Frankreich
Französisch-spanischer
Gipfel im Oktober 2005
Am
17. und 18 Oktober haben Frankreich und Spanien beim Gipfeltreffen in
Barcelona beschlossen, die 4spurige Verbindung durch die Pyrenäen
(Pampelune–Orthez) in ihr Arbeitsprogramm aufzunehmen. Dieser
neue Schritt in diesem Projekt, für das der französische
Staat bislang keine Unterstützung signalisiert hatte, ruft im
Baskenland Bedenken hervor.
Außerdem
wurden Zeithorizonte für die Realisierung mehrerer
Straßenabschnitte in den Pyrenäen vereinbart, dabei unter
anderem die Umgehungen Gan und Bedous, zwischen Pau und dem
Somport-Tunnel. Im Hinblick auf den Schienenverkehr wurden zwar
Wünsche geäußert, jedoch keinerlei Zeitvorgaben
ausgesprochen.
Was
die Meerautobahn betrifft, eine Option, die im wahrsten Sinne des
Wortes eine kurzfristige Lösung für den Pyrenäentransit
darstellt, ist die Eröffnung einer Linie für das Jahr 2007
vorgesehen. Eine positiver aber nicht ausreichender Schritt für
die Pyrenäen, da der Verkehr hier seit 1986 jährlich um
etwa 10 % wächst.
Quelle:
Anne Lassman-Trappier, CPVH.
Solidarität
Maurienne / Mont-Blanc
Nach
der Schliessung des Frejustunnels aufgrund eines tödlichen
LKW-Unfalls haben im Juli 2005 zwei wichtige Demos stattgefunden: am
9. Juli in Maurienne und am 28. Juli am Mont-Blanc. Die
Volksvertreter des Mauriennetals haben zum ersten Mal zu einem
Zusammenschluß des Mont-Blanc- und des Mauriennetals
aufgerufen, um gemeinsam den unumgänglichen Wandel in der
Verkehrspolitik zu fordern. Sie haben sich auch gegen die drohende
Verdoppelung des Fréjus- und Mont-Blanctunnels ausgesprochen.
Der Regionalpräsident der
Region Rhône-Alpes, Jean-Jack Queyranne, war am 28. Juli in
Servoz, um zu bestätigen, daß kurzfristige Lösungen
für den Gütertransport auf Schiene und Wasser denkbar
wären, insbesondere durch die Linien Dijon-Vallorbe und
Mont-Cenis. Diese aufeinanderfolgenden Demos haben die Beziehungen
zwischen den Vereinen und den Volksvertretern der beiden Täler
verstärkt.
Die
nach dem Brand von 4 Lastwagen am 4. Juni 2005 erforderlichen
Reparaturarbeiten wurden zügig ausgeführt und der Tunnel
Ende August wieder für den Verkehr freigegeben.
Quelle:
Anne Lassman-Trappier, CPVH.
Lancierung
des Verkehrsmanifstests
Das
Verkehrs-Manifest wurde am 28. Juli 2005 im Rahmen der Kundgebungen
in Servoz als Folge des Unfalls im Frejus-Tunnel verfasst. Die
Vereine haben vor, die Erklärung von allen Vereinen, die durch
die Verkehrsproblematik betroffen sind, aber auch von den
Volksvertretern, Gewerkschaften, Wirtschaftsvertretern und Bürgern
unterzeichnen zu lassen. Meldet Euch bei ARSMB wenn Ihr bei der
Unterschriftensammlung mithelfen wollt: valleespropres@arsmb.com
Text
der Verkehrserklärung : http://www.arsmb.com
Österreich
Europäisches
Urteil zum « sektoriellen » Fahrverbot
Der
Europäische Gerichtshof hat das Urteil zum Fahrverbot für
bestimmte Lkws im Inntal in Tirol ausgesprochen. Eine landeseigene
Regelung von Tirol aus dem Jahr 2003 sah auf einer 46 km langen
Strecke der Autobahn A 12 im Inntal ein Fahrverbot für Lkws über
7,5 t mit bestimmten Gütern, wie z.B. Müll, Steine, Erde,
Motorfahrzeuge, Holz und Getreide vor. Begründet wurde dieses
Verbot mit einer Verbesserung der Luftqualität und dem
nachhaltigen Gesundheitsschutz sowie zum Schutz von Pflanzen und
Tieren. Die Europäische Kommission hat gegen diese Regelung
Einspruch eingelegt und zwar mit dem Argument des freien
Güterverkehrs. Das Urteil erweckt den Anschein, daß die
Maßnahmen des Landes Tirol unverhältnismäßig
sind und sich nicht mit dem Grundsatz des freien Güterverkehrs
vereinbaren lassen. Aber es sind eigentlich die Form- und
Verfahrensfehler, die zu diesem Urteilsspruch geführt haben (zu
kurzfristige Umsetzung, nicht genügend Alternativen). Das
Gerichtsurteil billigt das Prinzip der Berücksichtigung von
Gesundheit und der Umwelt : « Ein Verstoß gegen
den freien Güterverkehr ist im Grundsatz nicht mit dem
europäischen Recht vereinbar, kann jedoch unter Berücksichtigung
zwingender Gründe, die den Umweltschutz betreffen, die der
Gerichtshof als wichtig ansieht, gerechtfertigt sein ».
Quelle:
http://curia.eu.int/fr/actu/communiques/cp05/aff/cp050097fr.pdf
Susa-Tal
(Italien)
Verkehrsverlagerung
oder Größenwahnsinn?
November
2005
Bestandsaufnahme
·
Das enge Susatal
ist dicht bevölkert und leidet
bereits heute unter zahlreichen Belastungen,
die durch die Autobahn und den Fréjustunnel, eine wichtige
Bundesstraße, die Mont-Cenis-Strassse, die historische
Bahnlinie von Mont-Cenis, verursacht werden. Es
ist nunmehr vorgesehen, eine Hochgeschwindigkeitsbahn (Lyon-Turin).
·
Zur Zeit werden 27 % des Güterverkehrs über die Schiene
abgewickelt und 73 % auf der Straße (2004: Mont-Cenis Schiene
6,9 Millionen Tonnen; Fréjus Straße 18,6 Millionen
Tonnen). Die bestehende Bahnlinie ist nicht ausgelastet.
Kundgebungen-Widerstand
Die
Bevölkerung und die Volksvertreter im Tal sind der Meinung, daß
eine weitere Schnellbahntrasse nicht zumutbar ist und die Bevölkerung
gibt dies deutlich zu spüren.
·
2. Juni : zwischen
15'000 und 30'000 Personen demonstrieren im
Susatal (italienische Seite des Frejus-Tunnels) gegen die Lyon-Turin
Hochgeschwindigkeitstrasse.
·
Am 31. Oktober
haben die Einwohner und politischen
Vertreter die ersten
geologischen Sondierungsarbeiten für
die Hochgeschwindigkeitstrasse verhindert.
·
Seither fanden fast täglich
Kundgebungen und spektakuläre Aktionen gegen
Vorarbeiten der Hochgeschwindigkeitstrasse statt
·
Am 16. November
fand die Aktion « totes Tal »
statt, an dem Schuleinrichtungen und öffentliche Einrichtungen
aber auch zahlreiche Geschäfte und Betreibe geschlossen blieben.
Etwa 80'000 nahmen an
einem friedlichen Demonstrationszug zwischen
Bussoleno und Suze teil.
Die
Forderungen der Bevölkerung
·
Optimierung der vorhanden Bahntrassen, bessere Nutzung und Verteilung
der zwischen Frankreich und Italien vorhandenen Bahntrassen.
·
Rationalisierung im Straßenverkehr und Reduzierung der
Unsinnstransporte und Leerfahrten.
·
Transport von Containern auf der Schiene (unbegleiteter Kombiverkehr)
anstatt von ganzen Lkws (rollende Landstraße), wie dies im
Hochgeschwindigkeitsprojekt vorgeschlagen wird.
·
Abstimmung mit der Bevölkerung.
Kommentar
Einer
der großen Fehler der aktuellen Verkehrspolitik,
sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene, ist,
daß die Lösungen meistens von oben aufgezwungen werden,
ohne daß die Bevölkerung, die von der Folge dieser
Entscheidungen unmittelbar betroffen ist, mitsprechen kann –
dies ist im demokratischen System eine Mindestanforderung.
Das
was im Suza-Tal derzeit vor sich
geht ist das Gegenteil von Demokratie:
nahezu das gesamte Tal, örtliche Volksvertreter eingeschlossen
(36 Bürgermeister und 2 Gemeindeverbände) sind gegen die
neue Infrastruktur. Anstatt diese Proteste ernst zu nehmen, werden
sie von der Regierung bekämpft. Wir verurteilen in höchstem
Maße das Vorgehen der italienischen Behörden.
Außerdem
hat die italienische Regierung die Rahmenbedingungen für eine
tatsächliche Verlagerung des Gütertransports von der Straße
auf die Schiene nicht umgesetzt (wie z.B. die Internalisierung der
externen Kosten). Sie vernachlässigt insbesondere die
vorhandenen Schienenwege, die nicht ausgelastet sind. Unter diese
Umständen stellt sich
die Frage, ob die italienische Regierung tatsächlich eine
Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die
Schiene möchte oder ob sie nicht vielmehr ein Großbauprojekt
durchsetzen will, das hinterher
sicherlich nicht die Ziele erfüllen kann.
Zusätzliche
Infos
Internet :
http://www.legambientevalsusa.it
et:
http://www.notav.it
Cipra-Info
77 : Lieber Eisenbahntunnel als Verkehrspolitik ? PDF (644 KB, 16
Seiten) http://www.alpmedia.net/pdf/Cipra_Info_77_F.pdf
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